© roberto de luca
 






fama_fame
Die Ausstellung fama_fame ist ein „Work in Progress“ – Projekt. Es thematisiert den Hunger nach Ruhm, aber auch die Schwierigkeit damit umzugehen. Ein Vorhaben, das im hektisch-globalisierten Künstlerbetrieb immer schwieriger wird. Noch nie schenkte die Gesellschaft Kunstschaffenden so viel Aufmerksamkeit und eine derart grosse Medienpräsenz. Man lechzt nach Superstars, diese wiederum versuchen sich in ihrer neuen Rolle zu finden. Die grossen Kunstmessen und Biennalen zelebrieren die Top-Shots, zerren jährlich immer wieder neu entdeckte, noch „unverbrauchte“ Künstler ans Ufer, um sie alsbald wieder zu verkennen. Jenseits der Glanz- und Scheinwelt tummeln sich Kunstschaffende, die um den existentiell-künstlerischen Durchbruch ringen. Vor diesem Hintergrund entstand vor vier Jahren die Idee von Fama_Fame. Ziel und Idee waren damals wie heute, „noch“ unbekannten Kunstschaffenden eine Plattform jenseits des kommerziellen Kunstbetriebs zu geben.
Fazit: Das Konzept vom „Berühmt werden „befasst sich mit dem Ehrgeiz des Künstlers im Kunstsystem anerkannt zu werden und der Notwendigkeit im Alltag zu überleben. Metaphorisch gesehen repräsentiert es alle Beziehungen zwischen Leben, Liebe und Erfolg, Geld und den eigentlichen Grundbedürfnissen des Menschen.
Die Gründen
Daniele Pario Perra, Giancarlo Norese, Roberto de Luca.
Bisherige Ausstellungen:
Fabbrica di Losone (Ch), Kurator; Riccardo Lisi, 2006;
Künstlerhaus S11 (So), Kurator; Christin Markovic,Cokurator Roberto de Luca, 2008;
Het Wilde Weten, Rotterdam (Holland)Kurator Daniele Pario Perra, 2008.
Wankdorf Center, Bern (Ch)Kurator Christin Markovic,Cokurator Roberto de Luca.2010.


 

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Hungerkünstler
Franz Kafka beschreibt in seiner Erzählung «Ein Hungerkünstler» (1922) einen namenlosen Schausteller auf einem Jahrmarkt oder beim Zirkus, der den Hunger zu seiner Attraktion auserwählt hat. Abgemagert und geschwächt liegt er auf ein wenig Stroh gebettet in seinem Gitterkäfig und hat sich das Hungern zur wahrhaften Passion gemacht. In seinen besten Zeiten kamen Scharen von staunenden Schaulustigen, um ihn beim Hungern zu beobachten und ihn gleichzeitig zu überwachen, auf das er auch wirklich nichts zu sich nehme. Jeweils vierzig Tage hungert unser Hungerkünstler, bis er auf Geheiss seines Impresario sein Hungerleiden mit einem Krankenessen beendet. Inzwischen sind die glorreichen Tage des Hungerkünstlers Vergangenheit. Seine Kunst ist ausser Mode, der Hype ist vorbei. Spärlich findet sich Publikum ein, das ihn zudem mehr belächelt als bewundert. Doch das fehlende Interesse macht den Hungerkünstler frei. Er kann sich jetzt vollkommen seiner Passion widmen, ohne dem oberflächlichen Geschmack des Publikums folgen zu müssen. Vereinsamt und unbeachtet stirbt er in seinem in eine Stallung abgeschobenen Käfig.
Ruhm, Zwang, Freiheit und Leidenschaft des Künstlers sind in der kurzen Erzählung angesprochen – also alles, was auch den heutigen bildenden Künstler beschäftigt, beschäftigen muss oder beschäftigen soll. Ruhm und Erfolg kippen beim Hungerkünstler in eine Abhängigkeit vom Publikum. So beschränkt der Impresario nur aufgrund des rapide abnehmenden Interesses das Hungern seines Schaustellers auf vierzig Tage. Der Ruhm beruht auf einer Anbiederung an den Geschmack des grossen Publikums und hält auch nur solange das Zuschauerinteresse – was natürlich soviel heisst wie Geld – besteht. Das grösste Leiden entsteht dem Künstler durch die Oberflächlichkeit des Publikums. Es zweifelt, wie weit hier wirklich gehungert wird und überwacht den Künstler. Sein innerer Drang zu Hungern, seine Passion und die damit verbundene Aufrichtigkeit seiner Tätigkeit, oder vielmehr seiner ganzen Existenz, bleiben dem Publikum verborgen. Dieses Unverständnis greift den Künstler im Innersten seines Daseins an.
Erst das Wegbleiben der Zuschauer bringt Freiheit mit sich. Nun kann sich der Künstler unabhängig und frei von den Zwängen, die ihm auferlegt sind, seiner Passion widmen. Er hungert solange er will und genügt sich selbst. Eine nicht auflösbare Widersprüchlichkeit ist diesem Verhältnis des Künstlers zu seinem Publikum eigen. Einerseits sucht er Interesse und damit Ruhm, andererseits drängt ihn die Abhängigkeit in eine belastende Unfreiheit. Die materiellen Bedingungen des Überlebens stehen in drastischem Gegensatz zum inneren Drang des Künstlers, der Freiheit und der Unabhängigkeit in seinem Schaffen. Wie weit kann (oder muss) ich mich als Künstler den äusseren Bedingungen anpassen, ohne mich aufzugeben und zu verneinen? Eine Thematik die in unserer Zeit der medialen Übersättigung und nie endender Bilderflut, in Zeiten von Big Brother, Super- und Musicstar-Sendungen eine neue ungeahnte Dimension erreicht hat.
Übrigens verrät uns Kafka am Ende seiner Erzählung den Ursprung der Passion des Hungerkünstlers: er hat ganz einfach nie eine Speise gefunden, die ihm zusagt. Ein ernüchterndes Ende. Alle Leidenschaft des Hungerkünstlers und damit einhergehend das romantische Bild des Künstlers, der aufgrund seines inneren Drangs erschafft und gestaltet, löst sich gleichsam in Schall und Rauch auf.

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fama _ fame Ruhm – Hunger, ist ein In Progress- Projekt, das sich bei jeder Ausstellung durch
die Inputs die es vor Ort erhält weiterentwickelt. Das Konzept vom "Berühmt werden" befasst
sich mit dem Ehrgeiz des Künstlers im Kunstsystem anerkannt zu werden und der
Notwendigkeit im Alltag zu überleben. Metaphorisch gesehen repräsentiert es alle
Beziehungen zwischen Leben, Liebe und Erfolg, Geld und den eigentlichen
Grundbedürfnissen des Menschen.
Das Projekt lebt von der Gastfreundschaft lokaler Institutionen und wird von beteiligten
Künstlern selbst betreut.
Solothurn 2008 Nach der Fabrica di Losone (TI), die als Initiantin der Idee im letzten Jahr
erstmalig Gastrecht gewährte, amtiert nun Solothurn als zweite Station. Hier werden
voraussichtlich 27 Künstlerinnen- und Künstler aus der Schweiz und dem Ausland teilnehmen,
organisiert von Roberto De Luca und Meinrad Feuchter.

Teilnehmer

Schweiz: Roberto De Luca, Meinrad Feuchter, Norbert Klassen, Fiorenza Bassetti, Béatrice
Bader, Paul Le Grand, Marco Giacomoni, Markus Furrer, Agent-provocateur, Stefania Beretta,
Glaude Gaçon, Ernesto Nicolai, Anaïs Gumy, Gian Paolo Minelli, Silvano Repetto, Jérome
Leuba.
Italien: Giancarlo Norese, Daniele Pario Perra, Cersare Pietroiusti, Luigi Negro, Emilio Fantin,
Filippo Leonardi, Antonio Scarponi, Giuliano Galletta, Patrizio Travagli.
Holland: Emile Zile
Türkei: Julie Upmeyer